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Suchtberatung stark unterfinanziert

Tina Knappik (l.) und Friedemann Ulrich (r.) vor der Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie.

Ein bundesweiter Aktionstag weist auf fehlende Mittel und dramatische Auswirkungen hin.

300 bis 330 Menschen mit Suchtmittelproblemen erreicht und betreut die Beratungsstelle der Vorwerker Diakonie pro Jahr. Doch es könnten deutlich mehr sein. "Die Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt einen Suchtberater auf 10.000 Einwohner - hiervon sind wir in Lübeck meilenweit entfernt", sagt Friedemann Ulrich, kommissarischer Leiter der Suchtberatungsstelle. "Aktuell stehen uns insgesamt nur zwei Vollzeitstellen zur Verfügung." Hintergrund ist die chronische Unterfinanzierung des Angebotes: Angesichts klammer kommunaler Kassen stehen Suchtberatungen überall in Deutschland finanziell mit dem Rücken zur Wand. "Deshalb beteiligen wir uns am 4. November 2020 mit Nachdruck am bundesweiten Aktionstag, der auf die prekäre Situation der Suchtberatungsstellen hinweist", so Ulrich.

Tina Knappik arbeitet in der Lübecker Suchtberatungsstelle und erlebt die Auswirkungen der fehlenden Mittel tagtäglich in der Praxis. "Wir sind so ausgelastet, dass wir Termine nur mit längeren Wartezeiten vergeben können. Dadurch kommt die Hilfe mitunter zu spät oder Klienten springen ab", so die Suchtberaterin. "Wir können auch nur sehr eingeschränkt Streetworking betreiben und direkt auf die Betroffenen zugehen. Ganz zu schweigen davon, dass wir mit der aktuellen finanziellen Ausstattung keine digitalen Angebote machen können." Doch gerade die digitalen Zugangsmöglichkeiten wären in der Corona-Pandemie wichtig, denn die Situation der suchtkranken Menschen verschärft sich derzeit. "Die Betroffenen ziehen sich mehr und mehr zurück und gehen nicht mehr nach draußen", so Tina Knappik. "Der Konsum und auch das Rückfallrisiko steigen, weil die soziale und professionelle Unterstützung fehlt und das Stressniveau allgemein hoch ist." Entsprechend steigen aktuell auch die Fallzahlen.

Die Suchtberatungsstelle möchte mit Leistungsträgern und Politik im Gespräch bleiben, um die dramatische Situation deutlich zu verbessern. "Wir brauchen eine stabile, kostendeckende und verlässliche Finanzierung", so Friedemann Ulrich. "Ohne diese können wir vielen betroffenen Lübeckerinnen und Lübeckern schlicht zu wenig oder gar nicht helfen."

Weitere Informationen zur Suchtberatungstelle der Vorwerker Diakonie gibt es hier.

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